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Aus Willi Bredels Triologie ‘Verwandte und Bekannte’ (1. Band: Die Väter) |
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10. Kapitel III: Abschnitt “Carl, was ich sagen wollte, hast du noch immer die Absicht, ein Zigarrengeschäft aufzumachen?” Carl Brenten drehte sich überrascht nach seinem Schwager um. “Ich? Ach so! Ja, natürlich, ein Geschäft, das wäre nicht übel. Aber weißt du, das Geld, das ist ein rarer Artikel. Ich habe zwar etwas”, log er in die eigene Tasche, “aber es reicht nicht. Ich werde noch warten müssen.“ “Wieviel, meinst du, würde man brauchen, um in einer guten Geschäftsgegend einen kleinen Laden mieten und einrichten zu können?” Carl Brenten hatte schon eine ärgerliche Antwort auf den Lippen. Was sollten diese Redereien, es klang ja geradeso, als wenn man sich über ihn lustig machen wollte. Woher die Mittel nehmen, einen Laden zu mieten? Lächerlich. Dennoch antwortete er ernsthaft: “Nun, was wird man brauchen? Ein einigermaßen günstig gelegenes Geschäft wird seine zwei- bis dreitausend Mark kosten. Und dann braucht man wohl mindestens noch tausend, um es einzurichten und um etwas in Reserve zu haben. Zigarren bekommt man schließlich in Kommission - und Zigarren... Na, dafür würde ich schon sorgen. Also nach Adam Riese etwa dreieinhalb- bis viertausend. Das hat aber noch lange Beine, Gustav, da reichen meine Ersparnisse weder hin noch her.” “Ich frage nicht nur so”, antwortete Gustav Strück, “sondern...ich könnte helfen. Könnte dir das Geld vorstrecken...Wenn du Lust hättest.” Carl Brenten holte tief Atem. Auch Paul Papke blickte überrascht auf den Tischlermeister. Brenten schoß es blitzartig durch den Kopf: Zigarrengeschäft...Ende der Fabrikarbeit. Ich
könnte für mich produzieren... Meine Hausmachersorte sollte schon einschlagen... ...Inzwischen war die Liebfrauenmilch getrunken und eine neue Flasche auf den Tisch gestellt. Den Abschluß machten Käse und himmlisch duftender Mokka. Der Wirt kam mit Zigarren, aber Brenten hatte schon eigene verteilt, und auch dem Wirt - man war doch kein Nassauer - ward eine angeboten. “Eigene Fabrikation des Herrn Brenten!” Papke brachte es fertig, genießerisch an der kohlrabenschwarzen Brasil zu schnuppern. Er rauchte gewöhnlich bedeutend leichtere, diesmal mußte er sich überwinden und dies schwere Zeug anstecken. Dem Wirt ging es genauso, aber auch er steckte den schwarzen Glimmstengel mit Todesverachtung in den Mund. “Hat’s den Herren geschmeckt?” fragte er und lächelte im Vorgefühl einer zustimmenden Antwort. “Sicherlich wollen die Herren etwas ausruhen, ehe Sie das
Lokal in Augenschein nehmen, nicht wahr?” Paul Pakpe blinzelte den Wirt an. Sollte der schon genug gekitzelt sein?. Man mußte wohl noch etwas nachhelfen... An einem Sonnabend, wenige Tage nach dem prachvollen Fest in Mölln, stand Carl Brenten hinter seinem Ladentisch, probierte eine neue Sorte Brazilzigarren, war zufrieden mit ihrem schneeweißen Brand und hellblauen Rauch und blickte, bald grübelnd - die geschäftlichen Sorgen häuften sich - , bald wie abwesend durchs Ladenfenster auf die Straße, wo die Menschen vorüberhasteten. Alle Welt redete vom Krieg. Kein Kunde, der nicht das Wort Krieg in den Mund nahm. Gestern war Hinrich Willmers gekommen, hatte eine Kiste Zugarren gekauft und ihm erzählen wolle, daß der Krieg ein Volk verjünge, da sei schon immer so gewesen. Die letzten drei Abende war Brenten im Restaurant des Gewerkschaftshauses gewesen, er hatte Schönhusen oder einen anderen Gewerkschaftssekretär treffen und ihre Meinung über diese bedrohliche Entwicklung hören wollen. Keinen Schönhusen und keinen der anderen Angestellten, die sonst allabendlich dort saßen, hatte er angetroffen... |